Achtung, wir orientieren uns religiös!

 

Achtung, wir orientieren uns religiös!

 

Wenn das kein gutes Zeichen ist: Schon acht Stunden nach der Abreise von der Jugendburg in Gemen stellt sich eine Sehnsucht nach den tollen Räumlichkeiten, dem warmen Kamin und nicht zuletzt natürlich nach den Gruppenmitgliedern und den spaßigen Tagen, Abenden und Nächten ein.

Anders ausgedrückt waren die Tage religiöser Orientierung der Stufe 10 vom 11.1.2012 bis zum 13.1.2012 ein voller Erfolg, nur leider, wie die meisten schon am allerersten Abend feststellten, einfach viel zu kurz.

Auf der Burg am Mittwochvormittag angekommen, in Gruppen und damit den Teamern der Burg zugeteilt, wurde deshalb keine Zeit verloren. Gleich ging es an die erste von täglich drei Einheiten, in denen viel gespielt, geschrieben, geredet oder auch gemalt oder massiert wurde.

Nach dem ersten Kennenlernen, gab es Essen, von dem wir in den nächsten Tagen mehr als genug bekommen sollten. Fast ohne Unterbrechung schlossen sich Kaffee und Kuchen an, sodass alle gestärkt der zweiten Einheit entgegentreten konnten. In den Gruppen besprachen die Teamer, mit welchen Erwartungen und (Themen)wünschen die Stufe angereist war, um das Programm individuell abstimmen zu können.

Nach dem Abendessen und der nachfolgenden dritten und letzten Einheit des Tages, ging es für die meisten zur Burgführung, bei der wir auch mit dem Burggespenst Cordula in Berührung kamen und danach schließlich in unser Gästehaus, das außerhalb der Burg am Rand des Geländes lag. Dort bildeten sich dann Ansammlungen mit mindestens 20 Personen pro eigentlichen Zwei-Bett-Zimmer, in denen geredet und mit privater Gitarrenbegleitung sehr viel gesungen wurde (wenn auch sehr schief und die Songs unkenntlich machend, was die Videos bezeugen, die hoffentlich niemals an die Öffentlichkeit gelangen werden ;)).

23 war leider schon Nachtruhe und spätestens 00:30 waren die letzten Flüchtigen von Frau Schwenk und Frau Breitgraf in fremden Zimmern aufgespürt und in ihre eigenen Betten geschickt worden, was natürlich nicht bedeutete, dass dann dort sofort geschlafen wurde. Mehr oder weniger ausgeschlafen erschien die Stufe so beim Frühstück.

Der Morgenimpuls in den einzelnen Gruppen startete zum Glück recht ruhig, ganz im Gegensatz zu den Einheiten, in denen es im einen oder anderen Spiel auch um Reaktionsfähigkeit ging, die sich immer wieder mit Gruppen- und Einzelarbeitsphasen zum Thema zwischenmenschliche Beziehungen oder auch Zukunft abwechselten. So mussten die Gruppen beispielweise mit 1000 Burg-Dollar die Werte ersteigern, die für sie am bedeutendsten in einer Freundschaft sind.

Und dann war er auch schon gekommen: der letzte Abend. Freiwillig konnte noch„Werwölfe im Düsterwald“ mit den Teamern gespielt werden, doch auch dadurch ließ sich die davonrennende Zeit nicht aufhalten. Die Versammlungen im Zimmer waren noch größer als am Abend zuvor und umso spaßiger, weil sich die Gruppenmitglieder untereinander, die aus ehemals unterschiedlichen Klassen stammten, durch die Gespräche während der Einheiten und den Mahlzeiten um einiges angenähert hatten.

Von diesem Zusammenhalt ließen sich unsere lieben begleitenden Lehrer allerdings nicht beeindrucken, als sie gegen Mitternacht an die Türen klopften, und lösten die Runde theoretisch erst einmal auf, was natürlich überhaupt nicht unserem Sinn entsprach. Per SMS wurden Uhrzeiten nach den Kontrollgängen und Zimmer ausgemacht, ebenso in einigen wenigen Fällen das Versprechen, die Nacht einfach durchzumachen.

Durchgehalten haben tatsächlich einige Schülerinnen mithilfe von Wachmachern wie „Ich packe meinen Koffer“, andere konnten sich über immerhin 3-5 Stunden Schlaf freuen. Aber selbst diejenigen ohne Schlaf packten vor dem Frühstück noch erstaunlich fit ihre Koffer und fegten die Zimmer.

Das letzte Frühstück, der letzte Morgenimpuls, die letzte Einheit in der Gruppe mit den Teamern und schließlich die Abschlussreflexion und Verabschiedung. Dass sich in den Gruppen (durch gemeinsame nächtliche Aktivitäten) noch einmal einiges in Sachen Teamfähigkeit verbessert hatte, zeigte sich deutlich bei den erlebnispädagogischen Aufgaben, in denen sich nun wirklich zugehört und zusammengearbeitet wurde und blieb auch den Teamern so nicht verborgen.

Und auch wenn gerade alles so schön war, mussten wir nach dem Essen aufbrechen und zum Zug hetzten, den wir trotz unseres langsamen Gehtempos (hier nur die bedeutendsten Gründe: Schlafentzug und ständiges Singen) tatsächlich noch erreichten. Übermüdet, aber sehr glücklich und zugleich wehmütig sowie mehr oder weniger orientiert, kamen wir schließlich Freitagnachmittag in Borbeck an. Nicht nur einmal fielen dann und in den nächsten Stunden und Tagen Sätze wie: „Wo ist bloß die Zeit geblieben?“ und „Ich möchte zurück in die Burg!“

 

Melanie Schäfer, EF