Alytus (Litauen / Lithuania) - 20.-24.03.2011

Bericht Litauen:

Sonntag, 20.03.2011

Nachdem wir uns auf der Landkarte vergewissert hatten, wo genau unser Ziel war, brachen mein Kollege Herr Saxl und ich, Frau Helle, auf um den baltischen Staat Litauen, genauer gesagt, unsere Comeniuspartner in Alytus zu besuchen und um dort all die anderen Nationen des Comeniusprojekts zu treffen.

Was auf der Landkarte so nah aussah, entpuppte sich jedoch als erstes Charakteristikum Litauens. Nachdem wir in Vilnius gelandet waren, fuhren wir eine lange Strecke durch den Süden Litauens, der zwar mit Menschen dünn, dafür aber mit Wald dicht besiedelt war. Der für uns ungewohnte Anblick von soviel Weite und so wenig Menschen war beruhigend und ließ auf der anderen Seite aber unsere Spannung auf die Stadt Alytus steigen.

Hier wurden wir bei unserer Ankunft herzlich begrüßt und wir konnten einen ersten Eindruck von der Stadt gewinnen, in der sowohl die ursprünglichen Holzhäuser der Litauer als auch zahlreiche Plattenbausiedlungen des Sozialismus zu sehen waren.

Nach dem ersten Einleben bei leckeren litauischen Spezialitäten und das gewöhnen an die doch noch recht kühlen Temperaturen, erwarteten wir gespannt die Ankunft der anderen Comenius-Nationen und die offizielle Begrüßung am kommenden Tag.

 

Montag, 21.03.2011

Sobald man in Alytus ein paar Schritte in irgendeine Richtung geht, steht man unweigerlich wieder in einem alten, schönen Wald und so vermuteten wir auch auf unsere Weg zur „Alytus Music School“ kaum noch eine bauliche Einrichtung und waren um so überraschter, dass die Schule direkt am Waldrand gelegen mit ihren freundlichen Mitarbeitern schon auf uns wartete.

Da es sich um eine Musikschule handelte erfolgt bereits die Begrüßung musikalisch mit Gesang und herzlichen Gesten, die die internationale Kommunikation erleichterten.  Anschließend besuchten wir das Rathaus, wo wir Vertreter der Stadt und den Bürgermeister kennenlernten und durch einen mediengestützten Vortrag einen besseren Eindruck über Alytus und Litauen vermittelt bekamen

Auch der Nachmittag stand im Zeichen der Musik, da eine neue europäische Hymne komponiert werden sollte, was arbeitsteilig auf spielerische Weise und in Kooperation mit allen Nationen geschah. Was zunächst spielerisch begann, bekam eine gewisse Ernsthaftigkeit, als wir erfuhren, dass wir die Hymne bei einem öffentlichen Konzert im Stadttheater vorführen sollten. Dies hatte zur Folge, dass wir in (fast) jeder freien Minute an den folgenden Tagen, gemeinsam sangen.

Nach der Kompositions- und Probenarbeit an der Hymne ging es musikalisch, aber mit verstärktem „körperlichen Einsatz“ weiter. Gemeinsam mit allen Lehrern und Schülern, wurden die „Musical Games“, die die einzelnen Ländern aus ihrer Nation mitgebracht hatten, geprobt und mit wachsender Begeisterung gespielt. Hier war es überraschend zu sehen, dass sich einige Spiele, auch das unsere, in anderen Ländern in ähnlicher Weise auch finden ließen.

Der Abend klang dann bei einem gemütlichen Essen aus.

 

Dienstag, 22.03.2011

Der Plan für den Dienstag brachte uns heraus aus Alytus, zunächst durch den Wald und dann nach Trakai, einer der bedeutendsten Touristenorte Litauens. Er liegt 28 km südwestlich von Vilnius und beherbergt als Hauptattraktion eine Inselfestung mit historischer Bedeutung. In Trakai wurden wir sowohl durch den kleinen Ort mit seinen bunten Holzhäusern geführt und anschließend durch die Burgfestung von Trakai. Die ort- und fachkundige Führerin konnte uns eine Menge über die historischen Ereignisse, die Litauen prägten und immer noch prägen vermitteln.

In der  Mittagspause aßen wir das für diese Region typische „kibinai“, gefüllte Pasteten frisch aus dem Ofen, und dann ging es weiter in die litauische Hauptstadt Vilnius, wo uns wiederum eine geführte Tour erwartete. Zahlreiche Kirchen verschiedener Konfessionen waren in der restaurierten Innenstadt von Vilnius zu sehen. Auf kleinem Raum finden sich hier Paläste, die Universitätseinrichtungen und historisch bedeutungsvolle Gebäude, wie das ehemalige KFG, die von der wechselhaften Geschichte der litauischen Hauptstadt erzählen.

Nach diesen zahlreichen Eindrücken blieb ein wenig Zeit, sie bei einer heißen litauischen Schokoladen (denn es war immer noch sehr kalt) zu verarbeiten oder sich beim Kaufen landestypischer Souvenirs zu entspannen.

Auch dieser Abend ging mit einem gemeinsamen Abendessen mit wiederholter Probe der neuen europäischen Hymne zu ende.

 

Mittwoch, 23.03.2011

Da es sich bei der gastgebenden Schule um eine Musikschule handelt, wurde uns an diesem Tag auch der Einblick in eine „ganz normale“ Schule ermöglicht. Wir besuchten das Benediktiner Gymnasium in Alytus, wo wir an diesem Morgen herzlich aufgenommen wurden. Wir konnten uns über die Einrichtung, Unterrichtsmethodik und Schulprogramm informieren, Kontakte zu den dortigen Lehrern und Schülern knüpfen und uns in der Mensa bei frischem, noch warmen Gebäck das Treiben der litauischen Schüler bei ihrer Mittagspause beobachten.

Im Anschluss besuchten wir das Heimatmuseum von Alytus, wo mit Mannes- und Frauenkraft Münzen gestanzt werden konnten.

Nach einer Mittagspause ging es dann an die Arbeit, zum Meeting des Comeniusteams zur Besprechung, Reflexion und weiteren Planung der gemeinsamen Projektarbeit. Und danach wurde es ernst, das Konzert stand für 16 Uhr auf dem Programm und wir mit unserer Gesangsdarbietung auch.

Als das Konzert begann, wurde das Selbstvertrauen der Comeniussänger immer kleiner, denn das musikalische Programm, das uns die Alytus Music School bot, raubte uns den Atem und versetzte uns in Staunen. Kinder und Jugendliche im Altern von 7 bis 18 Jahren musizierten als Solisten, im Chor, in Ensembles oder im großen Symphonieorchester so perfekt und mit Freude am gemeinsamen Musizieren, dass wir sprachlos waren. Das Konzert wurde zudem extra für uns organisiert. Der letzte Programmpunkt war der unsrige und zu unserer Rettung und Überraschung begleitete uns das professionelle große Symphonieorchester der Musikschule und die Hymne wurde ein emotionaler Abschluss des beeindruckenden Konzerts.

In dieser Grundstimmung gingen wir am Abend zum festlichen Abschlussdinner, wo neben litauischen Köstlichkeiten natürlich auch die Musik nicht fehlte.

 

Donnerstag, 24.03.2011

Gefühlt viel zu schnell war am Donnerstag bereits der Abreisetag gekommen und auf dem Rückweg zum Flughafen durch das große litauische Waldgebiet gab es viele Eindrücke zu verarbeiten.

 

98 Flagge

 

MEETING PEOPLE IS EASY

A personal comment by Mr Saxl on the 8th Comenius meeting in Alytus, Lithuania, from 20th – 24th March 2011

 

It was quite early on a cold Sunday morning when two German teachers from the Städtisches Mädchengymnasium Essen-Borbeck (MGB) in Essen started their journey to a place that promised to be … well, we didn’t know exactly what to expect, but it promised to be at least interesting.

Our destination “in space” was the city Alytus, around 90 kilometers away from the Lithuanian capital Vilnius. But our REAL destination was something quite different: Instead of just travelling to a place on the periphery of Europe we were heading right for the centre of Europe, travelling to somewhere not over the rainbow, but at the very heart of Europe – a place where the European idea of Unity in Diversity should come to life and be experienced.

Our meeting in Lithuania was an event which would not have happened without this idea, an idea which is the foundation of the modern Europe many of us deeply cherish and are trying to form, to build, to create and to keep alive. We travelled to a place that could well be regarded as an embodiment of the European idea: A meeting of people – students and teachers – from 11 different European countries coming together to learn about each other, to learn from each other, to talk with each other (even though not all of us were equally fluid in the English language, which served as a central, but not the only connector), to agree and to disagree with each other, to eat and drink with each other, to have fun with and even to make fun of each other. And to cut a long story short: It worked surprisingly well!

Why did it work that well? I can only guess, but an interesting observation to make in that context was that there are more things that connect people than things that stand between us (a simple truth, maybe, but one that we too easily forget, as it seems – it’s not borders we need, it’s understanding). Throughout the time we spent together in Lithuania we could observe that it doesn’t make an important difference where people come from – people are different wherever they come from and thus, next to meeting people who differ from us indeed, every place also offers the opportunity to meet someone who differs from the others just in the same way as we do.

And of course, there are and fortunately always will be the others, people we don’t like, can’t talk to properly and don’t want to spend our time with, but this fact itself is not a problem. It just turns into a problem if some people, and that might well be us, don’t allow the others to be the others – or to be different from us, as it is. In Lithuania, this liberty to be different was noticeable, and that is a great thing to say.

Another interesting observation to (re)make was that without people, a place is mostly nothing but boring, empty space: It’s people who turn a place into something special, something with meaning and thus into something to care about. And best of all these people, however different they might be, share at least one spark of a common vision. The same goes for Europe, doesn’t it? And to me, this spark was something that we clearly shared during our meeting in Lithuania. Thanks to all of you who have been there for this sparkling!