SSV

Selbstbehauptung und Selbstverteidigung

Begründung

Im Sinne unseres Schulmottos „Girlpower“, dessen pädagogisches Konzept zum Ziel hat unsere Mädchen zu selbstständigen, kompetenten, gebildeten, selbstbewussten und verantwortungsvollen jungen Frauen zu erziehen, sind pädagogische Maßnahmen, die dies in Unterrichtsvorhaben schwerpunktmäßig versuchen um zu setzten, besonders wichtig.

Sexuelle Übergriffe, sexueller Missbrauch ist leider traurige Realität für viele Kinder, besonders für viele Mädchen wie die statistischen Erhebungen der letzten Jahre zeigen, ganz zu schweigen von  dem Graubereich der nicht angezeigten Fälle.(1998:19011 Kinder wurden Opfer, 92% im Alter zwischen 6 und 14, davon 74,7% weiblich, A. Gallwitz, M. Paulus, S.115)  Schule als wichtiger Bestandteil der Lebenswirklichkeit der Schülerinnen hat somit die Aufgabe hier nicht wegzusehen, sondern vorbeugend und helfend mit zu wirken. Seit Jahren haben wir dem Sport im Jahrgang 6 ein besonderes Profil gegeben, indem eine Sportstunde der Selbstbehauptung und Selbstverteidigung gewidmet ist.

Durchführung

Nur starke und selbstbewusste Kinder können auch in ungünstigen Umgebungen bestehen.“

( A. Gallwitz, M. Paulus, Kinderfreunde – Kindermörder. Verlag deutsche Polizeiliteratur GMBH, 2000) Untersuchungen von Kriminalpolizei und Psychologen belegen, dass Sexualtäter bevorzugt Kinder und Frauen als Opfer aussuchen, die schüchtern und unsicher wirken.

 Kompetenzen wie - Wahrnehmen, Denken, Urteile bilden, Entschlüsse fassen, Selbstständigkeit zeigen , nein sagen – sind wichtige Voraussetzungen für starke Kinder.

In Gesprächen, Übungen und Rollenspielen werden diese Kompetenzen geübt und gestärkt.

Der größte Teil an Übergriffen gegen Kinder geschieht ohne körperliche Gewalt durch Täter aus dem sozialen Umfeld.

So ist es wichtig, die Mädchen sensibel für die Gefühle, Ziele und Absichten anderer zu machen, offen mit ihnen über schlimme Dinge und wie man sich davor schützt zu sprechen.

Hier ist natürlich auch das Elternhaus gefragt, aber allzu oft finden die Eltern kaum den Mut oder die Zeit mit ihren Kindern über Sexualität zu sprechen, und das, obgleich die Kinder in fast allen Bereichen der Medien  mit Sex konfrontiert werden. ( Soaps, Werbung)

Weitere Themen sind auch sexuelle Übergriffe in Chatrooms, auf Handys, etc. und wie man sich davor schützen kann.

Ein gesunder Optimismus im Gegensatz zum naiven Optimismus, Sensibilität für Gefährdungen, Vertrauen auf eigene Gefühle, das Erkennen und Zulassen von Angst als Schutzfunktion sollen vermittelt werden.

Aufzeigen und Üben einiger Abwehrtechniken, die Bedeutung von Stimme und Körperhaltung sollen Stärke, Selbstvertrauen und Zuversicht geben, selbstbestimmt in übergriffigen Situationen Widerstand leisten zu wollen.

„ Wissen, vor allem auch sexuelles Wissen, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, Geborgenheit und Anerkennung, aber auch Freiräume für ein Selbstbestimmungsrecht und die Einübung einer Widerstandsfähigkeit machen aus Kindern unbequeme Opfer innerhalb und außerhalb der Familie.“ (A. Gallwitz, M. Paulus, Kinderfreunde – Kindermörder. Verlag deutsche Polizeiliteratur GMBH, 2000, S. 105 )

In diesem Sinne erproben, stärken und erweitern die Mädchen ihre Selbstwirksamkeit (Bandura, A. (1997).Self-efficacy: The exercise of control. New York: Freeman)

Wegen der Wichtigkeit des Themas (siehe auch die aktuelle Berichterstattung über sexuelle Missbräuche an Schutzbefohlenen) haben wir uns entschieden, dieses Unterrichtsvorhaben allen Mädchen der Klassen 6 anzubieten.

Um im hektischen Schulalltag, bei Klassenstärken von über 30 eine vertrauensvolle Atmosphäre zu gewährleisten, nimmt nur die Hälfte der Klasse (ca. 15)  teil. Organisatorisch liegt die Unterrichtstunde randstündig. Eine Gruppe der Klasse nimmt im ersten Halbjahr, die andere Gruppe im zweiten Halbjahr an der Selbstbehauptung und Selbstverteidigung teil.

Für diese Stunde wird aus pädagogischen Gründen keine Note erteilt, sondern nur die Teilnahme auf dem Zeugnis bescheinigt.