Taizé 2013

In der ersten Woche der Osterferien machte sich eine Gruppe von Schülerinnen und Ehemaligen auf, um die Passionszeit in TAIZÉ zu erleben. Es ist nun schon etwas her, dass wir in Taizé waren. Wieder haben wir die Karwoche dort verbracht und eine schöne und intensive Zeit erlebt. Mittlerweile sind wir alle wieder im Hier und Jetzt angekommen und was bleibt sind Erinnerungen, Eindrücke und neue Erfahrungen, die eine andere Sicht auf die Dinge erlauben:

Rebecca berichtet über eine Begegnung mit Frère Timothée

Genau wie in den vorherigen Jahren hatten wir auch dieses Mal ein Treffen mit einem Bruder aus Taizé, in unserem Fall immer Frère Timothée!  Bei diesem Treffen ist es in der Regel so, dass wir mitgebrachte Geschenke an den Bruder reichen und  uns alle vorstellen und jede einmal sagt, was sie nach Taizé gebracht hat oder warum sie wieder gekommen ist. Währenddessen gehen die mitgebrachten Knabbereien rum. Wir stellen Fragen oder der Bruder fragt uns etwas. Daraus ergibt sich dann ganz automatisch ein Gespräch. Dieses Jahr wurde dieses Gespräch sehr, na ja sagen wir theologisch. Das liegt daran, dass eine unserer lieben neuen Mitfahrerinnen eine ziemlich theologische Frage gestellt hat, nämlich, warum der Bruder überhaupt glaubt. Daraus hat sich ein Gespräch über den Glauben und über Vertrauen ergeben. Im Verlauf dieses Gespräches ist unser Bruder richtig aufgegangen, wie jeder Bruder, wenn es um solche Themen geht. Es hat sehr zum Nachdenken anregt. Ein ganz besonderes Merkmal dieser Gespräche ist die Ruhe, die die Brüder ausstrahlen. Sie lassen sich für Antworten viel Zeit und denken auch erst nach, bevor sie etwas sagen. Außerdem haben sie die Eigenschaft gut zuzuhören und das Reden anderen zu überlassen.

Eine andere Art der Begegnung oder des Gesprächs mit den Brüdern ist die persönliche. Neben den Gruppengesprächen besteht auch die Möglichkeit nach den Abendgebeten einen Bruder aufzusuchen. Diese verteilen sich nach dem Gebet in der Kirche und man kann einfach hingehen. Dann kann man mit ihnen beten, sich ihnen in persönlichen Dingen anvertrauen oder Fragen klären, egal ob es um den Glauben oder ganz grundsätzliche Dinge geht. Auch kann man sich segnen lassen, allerdings nur von dem Prior von Taizé, Frère Alois. Ich persönlich hatte dieses Jahr zum ersten Mal ein persönliches Gespräch mit einem der Brüder und finde es ist nochmal etwas anderes als das Gruppengespräch und es war sehr hilfreich und schön sich mit jemand Neutralem zu unterhalten und sich nicht den Kopf zerbrechen zu müssen, ob man diesem vertrauen kann oder es in Kürze die gesamte Klasse/Stufe wissen wird.

Ein Gottesdienst in Taizé

Ein Gottesdienst in Taizé ist von Grund auf anders als jeder Gottesdienst, den man hier erleben kann. Zunächst gibt es keine Predigt, die eine Stunde lang geht und von der man im Kern am Ende nur wenig verstanden hat. Dann besteht der Großteil des Gottesdienstes aus Gesängen, sogar das Vaterunser wird gesungen. Es gibt eine 8-minütige Stille und das Wichtigste:  man sitzt auf dem Boden.

Der Gottesdienst in Taizé bietet Gelegenheit zu sich selbst zu finden, nachzudenken und zu beten. Dadurch, dass man dreimal pro Tag in die Kirche geht, um einen Gottesdienst bzw. ein Gebet zu besuchen, nimmt das Ganze andere Formen an. Im Grunde ist es gar nicht zu beschreiben und man muss es erleben. Eine unserer Mitfahrerinnen hat in einem Text geschrieben „An diesem Ort ist man allein und doch in einer Gemeinschaft“ und besser kann ich es auch nicht ausdrücken.

An ganz normalen Tagen ist der Gottesdienst schon besonders, aber an Tagen wie Karfreitag und Ostersonntag ist er besonders besonders. Am Palmsonntag zum Beispiel bekommt man einen Zweig zur Erinnerung an Jesu Einzug nach Jerusalem. Nicht zu vergessen ist der Gründonnerstag: An diesem waschen die Brüder sich eigentlich gegenseitig die Füße, wie Jesus sie seinen Jüngern gewaschen hat, aber dieses Jahr war es anders, denn die Brüder haben jedem Einzelnen in der Kirche die Füße gewaschen. Eigentlich dachten wir das wäre ein Scherz der Brüder, aber nur bis sie plötzlich anfingen, tatsächlich jedem, der es wollte, die Füße  zu waschen. Das war ein sehr besonderes Erlebnis.

Karfreitag hat man die Möglichkeit seinen Kopf auf das Kreuz zu legen, welches dann am Boden liegt (dies ist aber nicht so leicht, denn in Windeseile ist dort eine Schlange bis an das Ende der Kirche) und am Ostersonntag bekommt jede eine Kerze und eine sehr große Kerze wird durch die gesamte Kirche getragen, während die Brüder das Licht in die Reihen weitergeben und jeder dies wiederum an seinen Nachbar, bis die ganze Kirche in Kerzenlicht getaucht ist. Außerdem sagt ein Bruder „Jesus ist auferstanden“ und alle antworten: „Er ist wahrhaftig auferstanden“ und das geschieht in mehreren Sprachen.

Auf diese Weise bekommt der Gottesdienst viele verschiedene, schöne Facetten und manchmal, wenn man Glück hat wird ein neuer Bruder in die Gemeinschaft aufgenommen und es gibt zusätzlich ein Lebensgelübde.

Unterkunft: Die Unterkünfte in Taizé sind, wie alles, sehr schlicht gehalten. Die meisten schlafen in Zelten auf großen Wiesen, was aber in diesem kalten März nicht besonders gemütlich gewesen sein muss. Zum Glück hatten wir eine der zahlreichen Baracken, die drei bis sechs Doppelstockbetten, elektrisches Licht und eine Heizung beinhalten, außerdem ein Abstellgitter für die Koffer. Das reicht wirklich aus für eine Woche, die man die meiste Zeit draußen oder in der Kirche verbringt. Wir haben immer warm und trocken geschlafen und hatten es nicht weit zu einigen Waschräumen mit Dusch- und Toilettenkabinen.

 

Mariella berichtet über die Arbeit: In Taizé packt jede mit an, denn sonst wäre es gar nicht möglich, so viele Menschen mit allem zu versorgen was sie brauchen. Deshalb bekommt jede am ersten Tag eine Arbeit zugewiesen, deren Tätigkeiten von Kinderbetreuung bis zum Kloputzen reichen. Man kann also fest davon ausgehen, dass etwas dabei ist, was einem Spaß macht. Täglich arbeitet man dann für etwa eineinhalb Stunden mit seinem Team, welches teilweise international ist und hat einfach eine Menge Spaß.

Ich war dieses Jahr economic-Team beziehungsweise haben wir es so genannt, da unsere Aufgaben ziemlich vielfältig waren. Manchmal mussten wir putzen, aber die meiste Zeit haben wir riesige Kisten voller Essen zur Küche geschleppt und eingeräumt. Insgesamt hat es einfach nur Spaß gemacht weil wir ein super Team hatten und viel miteinander gelacht haben, Dazu waren wir direkt an der Süßigkeitenquelle, da wir unter anderem im Kekslager gearbeitet haben. Zur guten Stimmung im Team hat unter anderem beigetragen, dass wir immer am Ende jeder Schicht zusammen Tee getrunken haben und uns über dies und das amüsiert haben.

Insgesamt ist die Arbeit ein sehr bereichernder Teil des Alltags in Taizé und ich werde nächstes Mal auf jeden Fall eine neue Arbeit ausprobieren um alles kennenzulernen, was es gibt.

 

IVONA berichtet über das Essen: So schlicht und geordnet das Leben in Taizé ist, so ist auch das Essen. Geduldig warten tausend Jugendliche in den Essensausgabeschlangen. Zu den beiden Hauptmahlzeiten ist jeder mit einem Tablett, einer Wasserschale, einem Teller und einem Löffel ausgestattet. Die Mahlzeiten sind einfach, aber energiereich: Linseneintopf, Kartoffelpüree mit einer vegetarischen oder nicht- vegetarischen Beilage, Nudeln mit Tomatensauce oder Pesto, Bohnendurcheinander etc. Dazu gibt es frisches Obst, Pudding, Kekse, (Frisch-) Käse und natürlich das obligatorische Baguette. Sollte man nach der normalen Portion dennoch Hunger haben, kann beim „EXTRA FOOD“ ein Nachschlag genommen werden.

Zum Frühstück ist die Essensausrüstung noch spartanischer: eine Trinkschale für Tee/ Kakao! Das Baguettebrötchen, die Zartbitterschokolade und die Butter bekommt jeder in die Hand gedrückt.

 

LUISA und CHAIRA berichten über ihre Bibelgruppe: Am ersten Tag trafen sich alle Jugendlichen in einem Zelt. Dort wurden dann internationale Gruppen zusammengestellt. Als unsere Gruppe komplett war, setzten wir uns als erstes zusammen. Jeder hat ein bisschen über sich selbst erzählt, damit wir uns besser kennen lernen. Die ganze Zeit redeten wir auf Englisch miteinander. Wir hatten zwei Jungs aus Norwegen, zwei Mädchen aus Portugal und zwei Mädchen aus Spanien in unserer Gruppe. Unsere Gruppenleiterin Elisabeth kam aus Köln. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden, auch wenn wir nicht die redseligste Gruppe waren. Wir haben uns jeden Tag getroffen. Einmal um über eine Bibelstelle zu reden und das andere Mal um zu arbeiten. Es war eine tolle Erfahrung, andere Jugendliche aus unterschiedlichen Ländern kennen zu lernen.

 

 Francesca berichtet über die Kleingruppen: Einmal am Tag gibt es eine Bibelstunde, in dieser wird man in Kleingruppen aufgeteilt. Man bekommt einen Text, über den man sprechen und nachdenken soll. Dieses Jahr bestand meine Gruppe aus vier Deutschen, vier Portugiesen und zwei Iren. Dadurch mussten wir zwangsläufig auf Englisch reden. Allerdings war dies nach dem ersten Tag kein Problem mehr und im Notfall hatte man noch andere aus dem gleichen Land da, die einem halfen beim Reden oder für einen übersetzten. Wir redeten zwar auch über den Text, aber meistens redeten wir darüber, was wir mal so vorhaben oder wie es so bei uns zuhause ist. Es war interessant zu erfahren, wie man in Portugal und Irland lebt und was die anderen aus meiner Gruppe später einmal vorhaben. Jeder von uns konnte ohne Probleme das sagen, was er oder sie denkt. Jede Meinung wurde einfach akzeptiert. Wir haben viel gelacht und ich fand es erstaunlich, wie die anderen aus meiner Gruppe gewisse Dinge betrachtet haben. Zwischendurch, wenn wir noch Zeit hatten, spielten  wir zusammen. Zwei aus unserer Gruppe hatten Gitarren mit und einer sogar eine Ukulele. Bei einem Treffen sangen wir daher zusammen. Die Stimmung in unserer Gruppe war unglaublich toll. Wir trafen uns zwar nur für zwei Stunden am Tag und das sechs Tage die Woche, doch sind mir die anderen alle ans Herz gewachsen und man kann behaupten, in diesen sechs Tagen sind wir Freunde geworden. Man traf sich ja auch zwischendurch einmal auf dem Gelände. Einige von ihnen werde ich vielleicht nächstes Jahr wieder sehen. Einige vielleicht nie mehr, aber das ist nicht schlimm, weil ich weiß, dass keiner von uns diese Zeit je vergessen wird und sie uns für immer im Gedächtnis bleibt.

 

Auch im nächsten Jahr wollen wir wieder nachTaizé

um Aufzutanken, zum Erholen, zum Singen, zum Beten, um FreundeInnen wiederzutreffen um neue Begegnungen zu erleben……

Samstag, 12.4.2014 bis zum Ostersonntag, 20.4.2014   - Herzliche Einladung

Näheres bei: schnettler.dietrich@yahoo.de